Demenz - Eins nach dem anderen

Ausstellung DemenzVom 02. – 05. November 2017 waren wir im Rahmen der Aktion Demenz der Stadt St. Gallen während vier Tagen im Waaghaus St.Gallen. Die Ausstellung mit einem inspirierenden Rahmenprogramm stand unter dem Titel: Demenz – eins nach dem anderen. Texte, Zeichnungen und mehr von Menschen mit Demenz. Link zum Flyer

mosa!k fokussierte an diesen 4 Tagen folgenden Themen:

mosa!k möchte Besucherinnen und Besucher daraufhin sensibilisieren, dass Demenz nicht nur bei älteren und hochbetagten Menschen vorkommt, sondern auch jüngere Personen, d.h. vor dem 65. Altersjahr, betreffen kann. In diesen Situationen stellen sich den Betroffenen und ihren Familien oft ganz andere Fragen und Herausforderungen.

mosa!k schafft im Rahmen dieser Ausstellung die Möglichkeit, dass Personen, die im mittleren Lebensalter von Demenz betroffen sind, zu Wort kommen.

Es sind dies:

  • Franz Inauen, der am Freitag, 3. November um 18.30 Uhr von seinem Alltag mit Demenz berichtet hat.
  • Helga Rohra, die am Sonntagnachmittag, 5. November um 14.30 Uhr bei uns zu Gast war mit ihrer Botschaft „Ja zum Leben trotz Demenz“.
  • Richard Taylor mit seinen Texten und Forderungen zum Thema Leben mit Demenz.

mosa!k möchte Besucherinnen und Besucher ermuntern, in der Begegnung und im Umgang mit Betroffenen das Augenmerk vor allem auf die vorhandenen Ressourcen, das Gelingende, das Stärkende und das Wohltuende zu richten und in erster Linie den Menschen bzw. die Person wahrzunehmen und nicht ausschliesslich die Krankheit und die damit verbundenen Verluste. Menschen mit Demenz haben Kompetenzen – wie Du und ich. Und sie wissen, was ihnen gut tut.

Im Zentrum der Ausstellung standen vier betroffene Personen:

Franz Inauen (66), erfuhr 2013 von seiner Diagnose „Demenz“. Er verarbeitete seine Erfahrungen, Hoffnungen und Gefühle schreibend, dichtend und zeichnend. Sein Werk von 85 Bildern und dazugehörigen Texten erschien 2016 unter dem Titel „Demenz – Eins nach dem anderen. Texte und Zeichnungen eines Menschen mit Demenz“ im Hogrefe-Verlag. Franz Inauen – der Namensgeber dieser Ausstellung - ist geboren in Appenzell und lebt heute mit seiner Frau Bernadette in Luzern.

Franz Inauen war am Freitagabend, 3. November, 18.30 Uhr im Waaghaus zu Gast und berichtete aus seinem Alltag und von der Entstehung seines Buches. Er wurde interviewt von seinem Freund und Verleger Jürgen Georg.

Richard Taylor (verstorben 2015), erhielt 2001 im Alter von 58 Jahren die Diagnose „Demenz, vermutlich vom Typ Alzheimer“. Er war Professor der Psychologie und lebte bis zu seinem Tod in Houston, Texas. Nach der Diagnose begann Richard Taylor seine Gedanken und Erfahrungen aufzuschreiben, um besser zu verstehen, was in ihm vor sich ging. Aus diesen Dokumenten entstand sein Buch „Alzheimer und Ich – leben mit Dr. Alzheimer im Kopf“ und wurde zum bis heute bekanntesten „Demenz-Aktivisten“ der USA, der aber auch in Europa und in der Schweiz als leidenschaftlicher Fürsprecher von Menschen mit Demenz in Erinnerung bleibt.

Während dieser vier Tage wurde im Waaghaus verschiedene Texte von Richard Taylor gezeigt, die zum Nachdenken und zum Diskutieren anregen sollen.

Helga Rohra ( www.helgarohra.de) ist ehemalige Konferenz-Dolmetscherin mit dem Spezialgebiet medizinische Forschung. Sie erhielt 2009 im Alter von 54 Jahren die Diagnose „Demenz vom Typ Lewy Body“. Frau Rohra hat zwei Bücher geschrieben und mehrere Buchbeiträge verfasst, spricht europaweit an Tagungen und Veranstaltungen über ihr Leben mit dieser Krankheit. Sie bezeichnet sich selber als „internationale Demenzaktivistin“ die sich für die Anliegen und Bedürfnisse Betroffener, insbesondere jung Betroffener einsetzt. "Ich möchte Sie berühren und nicht nur informieren" – so beginnt Helga Rohra meist ihre Vorträge, und das gelingt ihr auch.

Helga Rohra war am Sonntagnachmittag, 5. November 2017 um 14.30 Uhr im Waaghaus zu Gast und sprach zum Thema „Ja zum Leben trotz Demenz“. Sie wurde interviewt von Prof. Jürgen Steiner.

Herr Haueter, Bewohner der Sonnweid in Wetzikon, ist Protagonist der ersten virtuellen Ausstellung der Online-Plattform Ungekünstelt ( www.ungekünstelt.ch ). Er wischt und wischt und wischt mit seinem Besen den Rändern der verschlungenen Kieswege entlang – ohne gestalterische Absicht – und hinterlässt beeindruckende, filigrane Spuren im Garten der Sonnweid.

Ungekünstelt hat diese Spuren in einer virtuellen Ausstellung der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Rahmen der mosa!k-Ausstellung im Waaghaus wurden Fotos und ein Video gezeigt, welche Herrn Haueter bei der Arbeit und seine Spuren im Kies zeigen. Erste Eindrücke von dieser Arbeit der speziellen Art finden Sie hier: Herr Haueter wischt.

Im Vorfeld dieser Ausstellung startete mosa!k die Aktion „Mutmachsteine“, welche auf eine besondere Art und Weise Statements von jüngeren, an Demenz erkrankten Menschen einholt und im Rahmen dieser Ausstellung erstmals zugänglich machte. Mehr Informationen zur Aktion "Mutmachsteine" sind hier zu finden: Mutmachsteine.

Weiter war die Stadtbibliothek St. Gallen mit einer Auswahl von Büchern zum Ausstellungsthema anwesend. An einem separaten Büchertisch konnten zudem die Bücher von Franz Inauen, Helga Rohra und Richard Taylor erworben werden.

Vernissage Donnerstag, 02. November 2017 18:30 Uhr
Link zum Flyer